Am Vormittag noch führten 200 Jung-Gewerkschafter mit Passanten in der Innenstadt von Erkner intensive Debatten. Übernahme nach der Ausbildung bewegt die Menschen, nicht nur hier. Am Nachmittag dann schaffte es eine 50-Köpfige Delegation ins Kanzleramt. Und übermittelte dort Glückwünsche aller Auszubildenden der neuen Regierungschefin: „Sie haben drei Monate Probezeit. Dann sehen wir weiter.“
Berlin, 30. Oktober 2009. Die 4. Bundes-JAV Konferenz tagte diesen Mittwoch bis Freitag in Erkner bei Berlin. Unter dem Motto „Ziel Übernahme“ rüsteten sich Jugend-Auszubildenden-Vertreter und -Vertreterinnen aus dem ganzen Land für anstehende Aktionen und Kämpfe zu Hause in den Betrieben. Wissensvermittlung und Weiterbildung zu diesem Thema standen hoch im Kurs. Der Praxistest für öffentlichkeitswirksame Aktionen erfolgte heute in der innerstädtischen Fußgängerzone. Und im Kanzlerinnenamt.
Organisiert war das alles von der ver.di Jugend. Bereits am Mittwoch ist ein „Stosstrupp“ junger ver.dianer vor den Reichstag gezogen. Dabei hatten sie eine überdimensionierte Glückwunschkarte aller für die neue und alte Kanzlerin. „Die Auszubildenden“ unterstreichen damit ihre Erwartungen an Angela Merkel, nämlich deutlichen Einsatz für die Anliegen der jungen Generation während ihrer hunderttägigen „Probezeit“. Danach würde man weitersehen, steht auf der Karte geschrieben – ganz in Arbeitgebermanier.
Unterschrieben von allen 200 Teilnehmern der JAV-Konferenz fand dieser Glückwunsch heute Nachmittag seinen Weg ins Zentrum der Macht. Im Kanzleramt händigten mehrere junge Gewerkschafter die „Panorama“-Postkarte (1,5x3 Meter) Beate Baumann aus. Stellvertretend für die gerade in Brüssel weilende Kanzlerin bedankte sich deren Büroleiterin und enge Vertraute für diese unverhoffte Aufmerksamkeit. Sie würdigte das Engagement der jungen Gewerkschafter und ermutigte alle „dran“ zu bleiben.
Ringo Bischoff, Kopf der versammelten Gewerkschaftstruppe, erklärte dazu: „ Arbeitgeber beklagen den Fachkräftemangel in diesem Land. Und doch verwehren viele, viel zu viele von ihnen jungen Berufsanfängern nach abgeschlossener Ausbildung die Chance, nahtlos echte Berufserfahrung zu sammeln. Und den Anschluss zu schaffen. Stattdessen führt für viele dieser jungen Menschen der Weg zu Hartz IV und in staatliche Abhängigkeit. Das kann keiner wollen.“
Bischoff warnte: „Chancen und Teilhabe im Leben werden massiv erschwert, spezielles Know-How und Fähigkeiten können nicht erarbeitet werden oder gehen ungenutzt verloren. Das kann sich kein Land nicht leisten. Hier ist die Politik, allen voran die Regierung und deren Chefin gefordert!“
Weitere Informationen:
Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär
Mobil: 0171-204 0171
E-Mail: ringo.bischoff@verdi.de
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